SY Pilgrim

Törn 2006, Ijsselmeer - Mälarensee

1.) Die Idee und die Vorbereitungen:

Los ging es eigentlich schon im Juni 2005 während des verpatzten Englandtörns.
Als Frieder wegen einer Verletzung absagte, Jörn sich als eher unangenehmer Mitreisender entpuppte und dann auch noch die Maschine von Pilgrim den Geist aufgab, wurde der Törn 2005 mental „abgehakt“ und die schon lange gehegte Idee einer Reise in die Ostsee schob sich für 2006 in den Vordergrund.

Schnell war klar, in 6 Wochen Urlaub war das nicht zu machen und für etliche längere Teilstücke wird Crew gebraucht; komplett einhand in der dicht befahrenen Nord- und Ostsee rumzuschippern erschien mir nicht sehr verlockend.
Nach dem Urlaub 2005 wurde also mal der Chef angesprochen:
„Im November 2006 endet doch die aktive Phase meiner Altersteilzeit; wie wärs denn, wenn ich im Vorgriff darauf im Sommer schon mal so richtig lange Urlaub machen würde und die Fehlzeit anschließend an den November nachhole ?“.
Wie alle Chefs hört er auf das Wort Urlaub nicht besonders gut, sagt aber auch nicht kategorisch nein; ich spann den Faden also weiter.
Im November 2005 war das Problem gelöst; mein Arbeitgeber ist pleite und ich stehe nun im Sold der Bundesagentur. Sonderregeln für „alte Säcke“ erlauben eine Abwesenheit vom Wohnort von bis zu 17 Wochen. Na, damit läßt sich doch planen.
Im Dezember 2005 stellte ich den Törnplan auf meine WEB-Seite www.heinkele.net und habe in einer Rundmail an Freunde und Bekannte darauf aufmerksam gemacht.
Mitte Januar war klar, daß ich für alle kritischen Abschnitte Crew haben werde, die übrigen Strecken schaffe ich dann nötigenfalls auch einhand.
Jetzt wird es also ernst, Geld muß in die Hand genommen werden. Und das erste Geld ist schon ausgegeben; meine liebe Frau hat sich trotz erheblicher Bedenken wegen des Wetters im Norden, der Enge in der Kajüte und des Segelns im Allgemeinen doch entschlossen, 4 Wochen an Bord zu verbringen und zwar im Bereich Mälarnsee und Stockholmer Schären. Günstige Flüge von Köln nach Arlanda waren im Internet rasch gefunden und gebucht.

23.Januar 2006: Es ist so richtig kalt; morgens um 6:00 mit dampfendem Atem zum Bus und weiter mit der Bahn nach Düsseldorf . Die Boot, reichlich Gelegenheit das Konto zu entschlacken. Hauptziel: Karten für den Törn kaufen. Am Stand von Hanse-Nautik wurde ich gut beraten und nach ca. 1 ½ Stunden war die Bestellung der holländischen deutschen, dänischen, schwedischen und polnischen Karten komplett. Dazu noch die Gastlandflaggen, Hafenhandbücher , Tidentabelle usw. Danach gab´s noch neue Bootsschuhe, überlange Festmacher für die Schären, eine Handfunke und ausgiebige Informationen betreffend Kartenplotter. So ein Zauberkästchen könnte in den engen und viel befahrenen Schärengewässern hilfreich sein, besonders dann, wenn der Rudergänger auch für die Navi zuständig ist. Angebote für Geräte und elektronische Karten – natürlich mit Messerabatt- wurden von verschiedenen Firmen zugesagt; na sehen wir mal was kommt. Da ich möglicherweise das Boot am Ende des Törns an der Ostsee lassen möchte, wurden noch Informationen über Häfen an der deutschen Ostseeküste eingesammelt. Wo der Törn aber schließlich enden wird, das wird "operativ" entschieden werden.

1.März 2006:

Heute wurde die Rettungsinsel zum turnusmäßigen Service gebracht, dabei habe ich das teure Stück auch mal aufgeblasen gesehen. Hoffentlich muß die Pilgrim-Crew da niemals hinein...

 

 

 

 

Die Rettungsinsel beim Service

14.März 2006: Es ist noch immer sehr kalt; kein Gedanke daran, am Schiff arbeiten zu können. Der Sliptermin wurde inzwischen auf den 13.4. festgelegt. Allmählich wirds also Zeit, daß es warm wird.

Die "Crewkette" ist jetzt fast geschlossen, bis auf eine Woche im August werde ich Mitsegler an Bord haben.

18.März 2006:

Erste Fahrt nach Enkhuizen um Segel, Batterien, Farben usw. schon mal zum Boot zu bringen.
Bei dieser Gelegenheit wurde mit der Verwaltung des Compagnieshavens der Krantermin auf den 20.4. verschoben.

 

 

 

 

 

 

Pilgrim im Winterlager

26.März 2006: Eigentlich sollte es morgen nach Holland gehen. Wetterbericht sagt aber für die nächsten Tage ca. 10°C, Regen und viel Wind voraus; keine guten Bedingungen um das Unterwasserschiff und die hölzerne Scheuerleiste zu malen.

12.April 2006:

Nach einer kalten Woche in Enkhuizen wieder zurück am warmen heimischen Herd. Dafür ist Pilgrim jetzt klar fürs Wasser und presentiert sich der Unterwasserwelt nun in dezentem Mausgrau.

Daneben wurde die hölzerne Scheuerleiste neu lackiert, der Wasserpaß neu gemalt, die Kajüte komplett aufgeräumt und geputzt und das gesamte Deck gründlich gereinigt und neu versiegelt.

Für die Befestigung von Strecktauen wurden noch 2 Holepunkte montiert und etliche weitere Kleinigkeiten erledigt. Es kann losgehen !

20.April 2006:

Heute kam Pilgrim ins Wasser.
Konnte per WEB-Cam zusehen ; den spannenden Momment als es wirklich ins Wasser ging habe ich aber verpaßt. Erst stand sie fast ne Stunde unterm Kran, dann mal kurz weg vom PC und als ich wieder nachsehen wollte, war sie weg....

 

17.Mai 2006:
Der erste Bericht von der Reise aus Kiel:
Am 16.Mai hat Pilgrim via NOK die Ostsee erreicht.
In den ersten beiden Wochen der Reise wurden wir mit traumhaftem Frühjahrswetter verwöhnt, aber leider spielte der Wind nicht so recht mit.
so mußten wir wegen des kräftigen Nord-Ost mit Boen bis 7 Bft die "Standed-Mast-Route" von Harlingen nac Delfzijl wählen und hatten dann noch 4 Tage Zwangsaufenthalt auf Borkum. Danach war der Wind eher schwach und kam meist auch noch aus der falschen Ecke.
Fazit: reichlich Motorstunden.
Jetzt hoffen wir, daß uns die Ostsee-Winde gewogener sein mögen.
Ein paar Bilder vom ersten Abschnitt des Törns gibt es
hier

22.Mai 2006;
Bericht aus Rudkøbing auf Langeland / Daenemark:
Am Mittwoch, 17.5. ging es von Kiel bei zunaechst schoenem Wind nach Marstal auf der Insel Als / Daenemark. Unterwegs schlief der Wind aber komplett ein und so musste der Bukh mit seinen 20 Pferden wieder ran. Seit Donnerstag, 18.5. sind wir jetzt in Rudkøbing auf Langeland und was uns bei der Ueberfahrt von Kiel an Wind fehlte haben wir jetzt zu reichlich. Staendig 5-6 und Boen bis 8, dazu kalt und nass; irgendwie hatte ich mir das anders gedacht.
Das wirklich unangenehme ist aber, dass der Wetterbericht uns dieses Wetter weiterhin, zumindest bis kommenden Donnerstag verspricht. Schoene Aussichten sind das....
So nutze ich die Gelegenheit und schreibe dieses kleine Update in der Bibliothek von Rudkøbing. Mangels Infastruktur kann ich hier leider keine Bilder einstellen; vielleicht wieder beim naechsten mal...
Das wars fuer heute aus dem feucht, kalt und windigen Daenemark !

25.Mai 2006;
Gestern haben wir uns nach Lohals an der Nord-West-Ecke von Langeland vorgearbeitet.
Das waren immerhin ganze 15 Meilen und waehrend wir angelegt haben hat der Wind schon wieder zugelegt und es fing erneut an, heftig zu regenen.
Hier gibt es ein kleines Internet-Caffee und so nutze ich mal wieder die Gelegenheit, die Seite zu aktualisieren.
Bilder von Kiel bis Lohals

12.Juni 2006;
Mittlerweile sind wir schon hoch in Schweden, genau in Västervik, mitten im wunderschönen Schärengebiet. Und sogar das Wetter spielt jetzt mit; seit Tagen ist es sonnig und warm.
Leider gibts keine Bilder mehr. Die Internetcaffees hier in Schweden sind bessere Spielhöllen und bieten nicht die Möglichkeit, Fotos so zu bearbeiten, dass ich sie hier plazieren kann.
Melde mich bei nächster Gelegenheit wieder !

24.Juni 2006;
Leider wieder keine Bilder,
aber die freundlichen Herren vom Hafenkaffee in Sigtuna haben mir erlaubt, kurz ihren Rechner zu nutzen.
Ja seit 2 Tagen bin ich nun in Sigtune, der ältesten Staft Schwedens am Mälarsee und nahe beim Flughafen von Stockholm.
Dort kommt morgen meine Frau an um 4 Wochen mit mir im Mälarsee und den Stockholmer Schären zu segeln. Das Wetter ist derzeit etwas unbeständig, eher kuehl und recht windig. Wind OK aber etwas wärmer darf es schon werden.
Meine in Kalmar zugestiegenen Mitsegler Monika und Wolfram habe ich in Arkosund nach ca. 1 Woche gemeinsamen segelns gebeten von Bord zu gehen. Die Stimmung auf dem Boot war leider nicht gut und dann segele ich lieber alleine.
Da waren uebrigens traumhafte Segelstunden dabei. Auf dem Weg von Arkosund nach Ankarsudde bei Wind ca. 5 Bft - ein guter Anlieger konnte Pilgrim stundenlang zeigen, wie gut und flott sie hoch am Wind marschiert. Ueber Stunden bei bestem Wetter ständig ueber 6 Knoten - einfach nur schön !
Bis bald mal wieder !

1.August 2006;
Einige Zeit ist es her, dass ich mich hier gemeldet habe.
Zwischenzeitlich ist Pilgrim auf der Rueckreise und derzeit in Kalmar.
Nachdem Wolfgang und Monika in Arcosund von Bord gingen, habe ich das Boot einhand weiter durch den Södertälje-Kanal nach Sigtuna im Mälersee gesegelt.
In Sigtuna kam endlich meine Frau fuer 4 wunderschoene Wochen an Bord. Der Mälarsee mit seinen Schlössern Gripsholm und Skokloster, Stockholm und der Schaerengarten wurden in aller Ruhe beseglet und motort, ohne jeden Stress.
Leider gingen die 4 Wochen viel zu schnell vorbei....
Mein Mitsegler kar-Heinz, kaum in Stockholm angekommen, musste sofort wieder zurueck nach Deutschland weil seine Frau ins Krankenhaus musste.
Und nun bin ich einhand auf der Rueckreise, derzeit in Kalmar.
Und weil diesr Computer sagt, dass er mich in 3 Minuten ausloogt ist hier Schluss !

17.August.2006
Fast ist der Toern zu Ende. Am vergangenen Samstag ist Frieder an Bord gekommen. Nachdem ich von Stockholm bis Rostock einhand gesegelt bin, bin ich froh, jetzt wieder Gesellschaft zu haben.
Heute sind wir in Bagenkop auf Langeland angekommen, puetschern jetzt noch ein paar Tage in der daenischen Suedsee herum und werden in der naechsten Woche das Boot in Kappeln an der Schlei aus dem Wasser nehmen.
Dies ist der letzte Bericht vom Toern; einen ausfuehrlichen ubd bebilderten Bericht nehme ich mir fuer den Herbst vor.
Ich freue mich, wenn Ihr mal reinschaut.
Tschuess